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¬ Stimmt es, dass Salz Eis schmilzt?

Es stimmt, genau genommen, nicht.

Wenn Wasser zu Eis gefroren ist, dann besteht es aus Kristallen. Das heißt: Die Wassermoleküle – die jeweils aus zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoff-Atom bestehen – haben sich an festen Orten eingefunden und schwingen dort auf der Stelle hin und her. Sie haben nicht mehr genug Energie, um sich zu befreien, wenn man einmal von der obersten (hauchdünnen) Schicht Eis absieht. Dort ist das Wasser nämlich immer noch flüssig (zumindest bei normalem Glatteis, das sich langsam auf höchstens einige Dutzend Minusgrade abgekühlt hat). Diese Wasserschicht ist auch der Hauptgrund dafür, dass man auf Eis leicht ausrutscht.

Was passiert nun, wenn Salz auf das Eis gestreut wird? Das Salz besteht ebenfalls aus Kristallen: Natrium- und Chlorionen bilden ihrerseits ein ziemlich festes Gitter. Doch im Kontakt mit der Wasserschicht löst sich das Kristallgitter auf und die Ionen beginnen im Wasser herumzuschwimmen. Dafür brauchen sie jedoch Energie – Physiker sprechen von "Lösungswärme" – und die entziehen sie dem Eis. Das Glatteis wird also kälter, sobald Salz gestreut wird!

Trotzdem ist das winterliche Salzstreuen auf Autobahnen natürlich nicht vergebens. Denn die Schicht aus Salzwasser, die sich dadurch auf der Eis-Oberfläche bildet, benötigt zum Gefrieren viel tiefere Temperaturen als zuvor das Süßwasser. Grund: Der Gefrierpunkt von Salzwasser liegt tiefer als der von Süßwasser. (Meerwasser zum Beispiel enthält rund 35 Gramm Salz pro Liter Wasser und gefriert deshalb erst bei etwa Minus zwei Grad.)

Nun bildet sich aber an der Grenzschicht zwischen Salzwasser und Eis eine neue eine (Süßwasser-)Schicht auf dem Eis. Darin löst sich wiederum Salz auf und so fort, bis das Eis vollständig zu Salzwasser geworden ist. Genau genommen schmilzt das Eis also nicht durch das Salz: Das Salz verhindert nur, dass das Wasser auf der Straße gefriert.

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