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¬ Die Himmelsscheibe von Nebra

Da werden selbst gestandene Archäologen nervös: »Eine Sensation, vergleichbar mit dem Gletschermann Ötzi«, nennt Dr. Harald Meller vom Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt die »Himmelsscheibe von Nebra«. Vor einem Jahr wurde sie zusammen mit Schwertern und Beilen bei einer Raubgrabung unweit von Naumburg entdeckt. Die rund 30 Zentimeter große Bronzescheibe zeigt neben knapp 20 zufällig verteilten Sternen auch den Sternhaufen der Plejaden, zwei Mondphasen, Horizonte und ein Boot, das über den Nachthimmel fährt – alles in dünner Goldfolie aufgelegt. Geschaffen wurde sie wohl zwischen 2000 und 1600 v. Chr.. Damit ist sie die älteste astronomische Darstellung Mitteleuropas.

Physiker spielten bei der Untersuchung der Scheibe die Hauptrolle: Am Berliner Elektronensynchrotron BESSY, dem Institut Archäometallurgie der TU Freiberg und anderen Einrichtungen bestimmte man unter anderem die Herkunft des Kupfers. Am BESSY verwendete man dabei Röntgenfluoreszenz: Unter der Leitung von Dr. Martin Radtke (Bundesanstalt für Materialforschung) bestrahlte man dort das Metall mit harter Röntgenstrahlung; aus der Intensität der Sekundärstrahlung aus den angeregten Metallatomen erhielt man die genaue Zusammensetzung der Legierungen.

Ergebnis Nummer eins: Die Scheibe ist keine Fälschung aus modernem Metall. Ergebnis Nummer zwei: Das Kupfer in der Scheibe gleicht chemisch dem Kupfer aus den Schwertern und Beilen. Doch die Isotopenverhältnisse des Bleianteils im Kupfererz schwankten von Meßpunkt zu Meßpunkt. Ein Team um Prof. Dr. Ernst Pernicka (TU Freiberg) maß den Gehalt an Pb206, Pb207 und Pb208 im Verhältnis zu Pb204, eine gängige Methode zur geologischen Datierung. Während die ersten drei Bleiisotope nämlich Endpunkte der Zerfallsreihen von Uran und Thorium darstellen (U238, U235 und Th232), entsteht Pb204 nicht durch Zerfall. Im Falle der Himmelsscheibe verwendete man die Isotopenverhältnisse, um einen eindeutigen »Fingerabdruck« des Kupfers zu erhalten: So wusste man, dass das Kupfer aus einer Mine stammen musste, die lokal verschiedene Mengen an Uran und Thorium enthält. Pernicka vermutet diese Mine im österreichischen Mitterberg, wo in der Bronzezeit 15.000 Tonnen Kupfer abgebaut wurden. Das Gold auf der Scheibe dürfte dagegen wohl in Siebenbürgen geschürft worden sein.

Und noch eine dritte Entdeckung machten die Physiker: In der Goldauflage der Scheibe sind auch Silber und Zinn in unterschiedlichen Anteilen enthalten. Durch dessen Messung lassen sich eindeutig drei Herstellungsphasen unterscheiden: Zuerst schuf der Künstler Monde und Sterne. Anschließend – möglicherweise Jahrzehnte später – wurden die Horizontbögen aufgebracht und zuletzt das Schiff.
Die "Scheibe von Nebra" soll erstmals vom 15.10.2004 bis zum 24.4.2005 in einer Ausstellung in Halle der breiten Öffentlichkeit gezeigt werden. Weitere Informationen: http://www.archlsa.de/sterne/


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