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¬ Stimmt es, dass holzfreies Papier kein Holz enthält?

Es stimmt nicht.

Papierhersteller sind erfinderische Menschen. Alles Mögliche haben sie schon zu beschreibbaren Bögen gepresst: Gräser-, Hanf- und andere Pflanzenfasern und sogar Lumpen. Nur Holz kam jahrhundertlang nur selten ins Papier – im Gegensatz zu heute.

Im Jahre 1844 schliff der sächsische Blattbinder Friedrich Gottlob Keller erstmals Holz auf einem Schleifstein ab und schöpfte aus diesen Fasern ein dunkles Papier. In jener Zeit war man auf der Suche nach einem neuen Rohstoffen, denn der Papierbedarf wuchs. Kellers Erfindung setzte sich durch, allerdings erst nach einigen Verbesserungen. Denn es zeigte sich bald, dass reiner Holzschliff das Papier schnell vergilben ließ. Obendrein störten grobe Holzstückchen und den Papierherstellern waren die abgeschliffenen Fasern zu kurz. Die Lösung war die chemische Herauslösung von »Zellstoff« aus dem Holz – und diesen Weg gehen Papiermüller noch heute: Man kocht das grob zerkleinerte Holz mit verschiedenen Chemikalien, bis sich das Lignin – der Stoff, der Holz hart macht – zersetzt hat. Zurück bleiben lange Moleküle, die im Wasser aufquellen: der Zellstoff.

Papier, das aus Zellstoff hergestellt wird, heißt "holzfrei", weil es keine verholzten Fasern mehr enthält. Doch sein Grundstoff ist – abgesehen von Leim, Füll- und Bleichmitteln – nichts weiter als chemisch verwandeltes Holz. Holzhaltiges Papier dagegen enthält laut Norm zwischen fünf und 95 Prozent Holzschliff. Solche Papiere werden zum Beispiel für Zeitungen verwendet, während Kopierpapier meist aus Zellulose ist. Weil aber für die Zelluloseherstellung mehr Holz nötig ist als bei direkter Verwendung der Holzfasern, braucht man paradoxerweise zur Produktion von »holzfreiem« Zellulosepapier his zu doppelt soviel Holz wie für Papier aus Holzschliff!


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